Rezension: Lisa Marcks - "Das Geheimnis der Schneekirsche"

Seiten:

 416

 

 Übersetzer:

  /

 

 Verlag:

 Goldmann Verlag

 

 

 Klappentext:

 "Berlin 1913. Kurz vor Weihnachten erreicht die junge Lehrerin Selma Wallenstein ein Telegramm ihres Vaters: Ihre Mutter ist schwer erkrankt. Hals über Kopf begibt sich Selma auf die Reise ins ferne Tsingtau, wo ihr Vater in der deutschen Kolonialverwaltung arbeitet. Dort angekommen, entdeckt Selma eine faszinierende neue Welt. Und sie begegnet völlig unverhofft ihrer großen Liebe Paul wieder, den sie seit Jahren nicht gesehen hat. All die Gefühle, die Selma so lange verdrängt hat, kehren mit Macht zurück. Doch bevor die beiden sich einander wieder annähern können, trennt das Schicksal sie erneut. – Für immer?"

Quelle: Goldmann

Berlin 1913. Selma Wallenstein lebt mit ihrer Tante, einer gebürtigen Französin und sehr exzentrisch, und ihrer Schwester Adele, einer Schauspielerin, in einer kleinen Wohnung. Die Eltern der jungen Frauen leben in Tsingtau, da der Vater dort einen höheren Posten inne hat.

Selma geht ganz in ihrem Beruf als Lehrerin auf und liebt ihre Schüler. Sie hilft, wo sie nur kann, um auch die ärmsten Kinder zu unterstützen. Einzig die Liebe fehlt ihr. Paul. Einst hatten sie sich geliebt, aber ein schreckliches Unglück hat die beiden getrennt. Außerdem ist es ihr als Lehrerin sowieso nicht gestattet zu heiraten und zu unterrichten.

Kurz vor Weihnachten erreicht die Familie ein Brief, der alle sofort aufbrechen lässt. Selmas und Adeles Mutter, die Schwester ihrer Tante, ist schwer krank.

Nach wochenlangem hoffen und bangen erreichen die drei Damen endlich die Kolonie.

Und plötzlich muss sich Selma mit dem weitaus dramatischeren Umständen des Unfalls und Zustands ihrer Mutter, der Wut ihres Vaters und mit der Gegenwart ihrer großen Liebe Paul auseinandersetzen.

Aber das Schicksal meint es nicht immer gut...

 

 

Lisa Marcks hat mit "Das Geheimnis der Schneekirsche" einen wunderbaren historischen Roman geschaffen, der zum Träumen einlädt. Nicht nur die gelungenen Beschreibungen der chinesischen Kultur sowie der landestypischen Flora und Fauna, auch die Faszination, die dieses Land auf Menschen haben kann, waren erfrischend und unterhaltend.

Die Liebesgeschichte, die man sich anhand der Kurzbeschreibung erhofft, ist leider nur sehr verkürzt enthalten - jedoch mit überraschenden und dramatischen Wendungen.

Das Hauptaugenmerk liegt auf Selma Wallenstein und ihre Familiengeschichte. In jeder Familie gibt es Geheimnisse, so auch in dieser. Nur einige haben tragische und enttäuschende Konsequenzen und können vieles hinterfragen.

Selmas ist ein sehr sympathischer Charakter. Sie ist fürsorglich und um ihre Mitmenschen besorgt. Sie möchte helfen, wie sie nur kann und wie es in ihrer Macht steht. Dadurch macht sie sich auch einige Feinde. Vor allem männliche. Eine emanzipierte Frau ist auch in dieser Zeit noch nicht gerne gesehen. Außerdem ist Selma wissbegierig und an der chinesischen Medizin und Aromatherapie interessiert, wodurch man als Leser ebenfalls Informationen darüber erlangt.

Zu alledem kommt noch ein weiterer Spannungsfaktor zu der Geschichte hinzu: der erste Weltkrieg.

Wie schnell aus Freunden und Bekannten Feinde werden können, wird hier deutlich gemacht. Traurigerweise scheinen für manche Anhänger der Kolonialgesellschaft Nationalitäten wesentlich mehr zu zählen als der Mensch an sich. Aber auch wie sehr ein Krieg, Ehrgeiz und falsche Entscheidungen den Charakter verändern können, zeigt sich an einigen Beispielen in dieser Geschichte.

An einigen Punkten hätte ich gerne mehr über die Pflanzen und die Art und Weise der Herstellung von Ölen, Wässerchen etc. erfahren, da sie sehr wichtig für die Protagonistin Selma sind.

Außerdem kam mir - wie oben erwähnt - die Liebesgeschichte etwas zu kurz (obwohl sehr dramatisch!). Insgesamt kann ich aber nur sagen, dass mir "Das Geheimnis der Schneekirsche" wirklich sehr gut gefallen hat, mich gut unterhalten konnte und auch mein Faible für asiatische, historische Romane beglückt wurde.

 

 

 

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